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Narbenpflege nach OP

OP-Narbe entzündet: Warnzeichen und wann Sie zum Arzt sollten

OP-Narbe entzündet oder nur gerötet? Ratgeber mit Quellen: Warnzeichen einer Wundinfektion, späte Entzündung nach Wochen und wann Sie zum Arzt sollten.

Markus Halfpap · 02.11.2026 · aktualisiert 03.11.2026 · Lesezeit ca. 8 Min.

Holzregal im Bad mit gefalteten Handtüchern, Seifenschale und Eukalyptuszweig, Symbolbild, KI-generiert

Ihre Narbe ist rot, spannt oder drückt, und Sie fragen sich, ob das noch zur Heilung gehört oder ob sich die Wunde entzündet hat. Diese Unsicherheit ist verständlich: Eine frische Operationswunde schmerzt meist ohnehin etwas und ist gerötet. Deshalb ist es nicht immer leicht zu beurteilen, ob wirklich eine Infektion vorliegt (Bundesärztekammer).

Dieser Ratgeber hilft Ihnen bei der Einordnung. Er zeigt, woran Sie Warnzeichen erkennen, in welchen Fällen Sie sofort handeln sollten und was die Ärztin oder der Arzt bei einer Wundinfektion prüft. Er ersetzt keine Untersuchung. Wenn Sie unsicher sind, rufen Sie in der Praxis oder Klinik an, die Sie operiert hat.

Kurz gesagt: Eine Rötung allein ist nach einer Operation nicht ungewöhnlich. Auffällig wird es, wenn die Schmerzen zunehmen, die Haut um die Wunde sich rötet, erwärmt und anschwillt, Eiter austritt oder Fieber und Schüttelfrost dazukommen. Dann sollten Sie noch am selben Tag ärztlich abklären lassen. Hohes Fieber, schneller Puls oder Verwirrtheit sind ein Notfall: Rufen Sie die 112.

Normal oder Warnzeichen

Frische OP-Wunde: Was zur Heilung gehören kann und was nicht

Kann zur Heilung gehören

  • Leichte Rötung am Wundrand
  • Schmerzen, die nach und nach nachlassen
  • Eine Wunde, die Tag für Tag ruhiger wird

Warnzeichen

  • Schmerzen, die zunehmen statt nachzulassen
  • Rötung, Wärme und Schwellung, die sich ausbreiten
  • Eiter, der auch riechen kann
  • Fieber oder Schüttelfrost
Quelle: Bundesärztekammer/KBV, Gesundheitsinformation „Operationswunde“, 08/2022. Im Zweifel bitte ärztlich abklären lassen.biodermis-shop.com · Ratgeber

Normale Rötung oder Entzündung: der Unterschied

Nach einem Eingriff reagiert der Körper auf die Wunde. Eine leichte Rötung am Wundrand und Schmerzen in den ersten Tagen sind dabei häufig, weil die Wunde meist ohnehin etwas schmerzt und gerötet ist (Bundesärztekammer).

Entscheidend ist der Verlauf. Wird die Wunde mit der Zeit ruhiger, spricht das für eine ungestörte Heilung. Nehmen Schmerz, Rötung oder Schwellung dagegen zu, sollten Sie das nicht abwarten.

Eine Wundinfektion ist keine Seltenheit: In Deutschland kommt es nach Angaben der Bundesärztekammer jedes Jahr bei etwa 200.000 Operierten zu einer Wundinfektion, das ist ungefähr 1 von 100. Etwa ein Drittel davon wäre durch sorgfältige Hygiene vermeidbar. Eine Infektion ist also kein Zeichen, dass Sie etwas falsch gemacht haben, aber ein Grund, früh nachsehen zu lassen.

Warnzeichen einer Wundinfektion

Die Bundesärztekammer nennt diese Zeichen:

  • Zunehmende Schmerzen an der Wunde
  • Gerötete Haut um die Wunde
  • Wärme und Schwellung der Stelle
  • Eiter, der auch riechen kann
  • Fieber oder Schüttelfrost

DEXIMED ergänzt: Nässen kann hinzukommen. Bei einer Infektion in der Tiefe kann die Haut äußerlich unauffällig bleiben. Hier ist der zunehmende Schmerz das entscheidende Zeichen. Wenn Ihr Schmerz nach einigen Tagen stärker wird, obwohl die Wunde äußerlich ruhig aussieht, melden Sie sich trotzdem.

Zum Zeitfenster: Je nach Eingriff gelten Infektionen bis 30 beziehungsweise 90 Tage nach der Operation als postoperative Wundinfektionen (DEXIMED).

Wann Sie sofort handeln sollten

Bitte nicht abwarten

Diese Zeichen gehören noch am selben Tag in ärztliche Hände

Zunehmende Schmerzen, Rötung, Wärme oder Schwellung an der Wunde
Eiter, der auch riechen kann
Fieber oder Schüttelfrost
Eine Narbe, die nach Wochen erneut rot wird, schmerzt oder eitert

Notfall 112: hohes Fieber, schneller Puls oder Veränderungen des Bewusstseins. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Quellen: Bundesärztekammer/KBV, DEXIMED, Holzheimer 2005. Diese Liste ersetzt keine ärztliche Einschätzung.biodermis-shop.com · Ratgeber

Noch am selben Tag ärztlich abklären lassen, wenn Sie eines dieser Warnzeichen bemerken. Rufen Sie die Praxis oder Klinik an, die Sie operiert hat. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Rufen Sie die 112, wenn Sie hohes Fieber, einen schnellen Puls oder Veränderungen des Bewusstseins bemerken. Das können Zeichen einer Sepsis sein. Dabei breiten sich die Erreger im ganzen Körper aus, es ist lebensbedrohlich (Bundesärztekammer).

Bitte behandeln Sie eine verdächtige Wunde nicht selbst. Tragen Sie keine Salben oder Mittel auf eigene Faust auf, bevor ein Arzt die Wunde angesehen hat. Welche Warnzeichen nach einer Knie-OP besonders zählen, steht im Ratgeber Narbe nach Knie-TEP und Knie-OP: Lage, Heilungsverlauf und Pflege.

Späte Entzündung nach Wochen: Reaktion auf den Faden

Manchmal wird eine Narbe erst nach Wochen auffällig, obwohl die Wunde zunächst gut aussah. Eine mögliche Ursache ist das Nahtmaterial im Gewebe. In einer kleinen Fallserie mit 12 Fällen beschrieben Ärzte 3 bis 8 Wochen nach unkomplizierten Operationen Gewebereaktionen um den Faden, etwa Entzündung, Knötchen (Granulome), Fistel oder Abszess. Nach Entfernung des Nahtmaterials heilten die Wunden ohne weitere Störung (Holzheimer 2005).

Das ist selten beschrieben und kein Grund zur Sorge, solange Ihre Narbe ruhig ist. Wenn eine Narbe nach einigen Wochen erneut rot wird, schmerzt, eitert oder ein Knötchen entsteht, ist das ein Grund für einen Termin. Ob der Faden die Ursache ist, kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen.

Nässt die Narbe, ohne dass Sie weitere Warnzeichen bemerken, finden Sie die Einordnung in unserem Ratgeber OP-Narbe nach 4 Wochen.

Was die Ärztin oder der Arzt prüft und behandelt

Die Diagnose stellt die Ärztin oder der Arzt meist durch die Untersuchung der Wunde, manchmal mit Ultraschall. Bei Verdacht wird in der Regel ein Abstrich entnommen (Universitätsklinikum Heidelberg). Je nach Befund kommen folgende Maßnahmen infrage:

  • Antibiotikum, in der Regel über mehrere Tage, dazu örtliche Wundbehandlung (Universitätsklinikum Heidelberg)
  • Teilweises Öffnen der Wunde und Entfernen von Nahtmaterial, damit sie offen abheilen kann (DEXIMED)
  • Reinigung mit neutralen, wirkstofffreien Lösungen wie 0,9-prozentiger Kochsalzlösung (DEXIMED)
  • in seltenen Fällen eine operative Behandlung (Universitätsklinikum Heidelberg)

Bleibt eine Infektion unbehandelt, kann sie sich ausbreiten oder einen Abszess bilden (Universitätsklinikum Heidelberg). Auch deshalb lohnt der frühe Anruf.

Wer ein höheres Risiko hat und was Sie beachten können

Ein höheres Risiko haben Menschen mit Diabetes, starkem Übergewicht, Blutarmut oder geschwächtem Immunsystem (Bundesärztekammer). Auch Rauchen zählt zu den Risikofaktoren (KRINKO beim RKI). Wenn das auf Sie zutrifft, sprechen Sie Warnzeichen lieber früher an.

Was Sie im Alltag beachten können, bespricht Ihr Behandlungsteam mit Ihnen. Die Bundesärztekammer nennt:

  • die Wunde vor Schmutz und dauerhafter Nässe schützen
  • einen durchfeuchteten Verband wechseln lassen
  • in der Regel 48 Stunden nach der Operation wieder duschen, aber auf Baden und Sauna verzichten, bis die Wunde ganz verheilt ist
  • bei Unsicherheit nachfragen

Narbenpflege erst nach der Abheilung

Solange die Haut entzündet oder die Wunde offen ist, gehört keine Narbenpflege auf die Stelle. Warten Sie, bis die Ärztin oder der Arzt die Wunde als abgeheilt beurteilt hat, und sprechen Sie ab, ab wann Sie mit der Pflege beginnen dürfen.

Danach finden Sie die Grundlagen in unserer Übersicht zu Wund- und Narbenpflege und im Ratgeber OP-Narbe nach 4 Wochen.

Schmerzt die Narbe nach der Abheilung weiter, ohne dass Warnzeichen einer Infektion vorliegen, hilft der Ratgeber Narbe schmerzt: Ursachen, was hilft und wann Sie zum Arzt sollten bei der Einordnung.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass sich eine OP-Narbe entzündet hat?

An mehreren Zeichen zusammen: Die Schmerzen nehmen zu, die Haut um die Wunde rötet sich, die Stelle wird warm und schwillt an. Auch Eiter, der riechen kann, sowie Fieber oder Schüttelfrost können auftreten (Bundesärztekammer). Eine leichte Rötung allein ist nach einer Operation nicht ungewöhnlich.

Was tun, wenn sich eine OP-Narbe entzündet?

Rufen Sie noch am selben Tag die Praxis oder Klinik an, die Sie operiert hat, und lassen Sie die Wunde ansehen. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Behandeln Sie die Wunde bitte nicht auf eigene Faust.

Wie lange kann sich eine OP-Wunde entzünden?

Je nach Eingriff gelten Infektionen bis 30 beziehungsweise 90 Tage nach der Operation als postoperative Wundinfektionen (DEXIMED). Auch danach auftretende Beschwerden sollten Sie ärztlich abklären lassen.

Ist eine rote OP-Narbe immer entzündet?

Nein. Eine frische Operationswunde ist meist etwas gerötet und schmerzt, deshalb ist eine Infektion nicht immer leicht zu beurteilen (Bundesärztekammer). Entscheidend ist der Verlauf: Werden Rötung, Schmerz oder Schwellung stärker statt schwächer, sollten Sie sich melden.

Ist es normal, wenn eine OP-Narbe nach 6 Wochen eitert?

Nein, Eiter gehört zu den Warnzeichen einer Wundinfektion (Bundesärztekammer). Mögliche Ursachen reichen von einer Infektion bis zu einer Reaktion auf das Nahtmaterial, die in einer Fallserie 3 bis 8 Wochen nach der Operation beschrieben wurde (Holzheimer 2005). Welche Ursache vorliegt, klärt die Ärztin oder der Arzt, bitte vereinbaren Sie zeitnah einen Termin.

Kann sich ein Faden noch nach Wochen entzünden?

Ja, das ist selten möglich. In einer Fallserie mit 12 Fällen traten Entzündung, Knötchen oder Abszess 3 bis 8 Wochen nach unkomplizierten Operationen um das Nahtmaterial auf; nach dessen Entfernung heilten die Wunden ohne weitere Störung (Holzheimer 2005). Ob der Faden die Ursache ist, kann nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen.

Darf ich eine entzündete OP-Narbe selbst mit Salbe behandeln?

Nein, lassen Sie die Wunde zuerst ärztlich ansehen. Bei einer Wundinfektion stellt die Ärztin oder der Arzt die Diagnose, nimmt bei Verdacht meist einen Abstrich und entscheidet über die Behandlung, in der Regel mit einem Antibiotikum über mehrere Tage (Uniklinik Heidelberg).

Wie wird eine Wundinfektion nach einer Operation behandelt?

Je nach Befund mit einem Antibiotikum und örtlicher Wundbehandlung. Bei einer oberflächlichen Infektion kann Nahtmaterial entfernt und die Wunde teilweise geöffnet werden, damit sie offen abheilt; gereinigt wird mit neutralen, wirkstofffreien Lösungen wie Kochsalzlösung (DEXIMED, Uniklinik Heidelberg). Eine Operation ist selten nötig.

Wann ist eine entzündete OP-Narbe ein Notfall?

Bei hohem Fieber, schnellem Puls oder Veränderungen des Bewusstseins. Das können Zeichen einer Sepsis sein, bei der sich die Erreger im ganzen Körper ausbreiten. Rufen Sie dann die 112 (Bundesärztekammer).

Ab wann darf ich nach einer Entzündung wieder Narbenpflege machen?

Erst wenn die Ärztin oder der Arzt die Wunde als abgeheilt beurteilt hat. Solange die Haut entzündet oder die Wunde offen ist, gehört keine Narbenpflege auf die Stelle. Besprechen Sie den Beginn der Pflege bitte mit Ihrem Behandlungsteam.

Quellen

  1. Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung: Gesundheitsinformation „Operationswunde“, Stand 08/2022. Zum PDF
  2. Universitätsklinikum Heidelberg: Wundinfektion und Wundheilungsstörung nach Operationen. Zur Seite
  3. DEXIMED: Postoperative Wundinfektionen. Zur Seite
  4. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut: Prävention postoperativer Wundinfektionen, Bundesgesundheitsblatt 2018, DOI 10.1007/s00103-018-2706-2. Zur Seite
  5. Holzheimer RG: Adverse events of sutures: possible interactions of biomaterials? Eur J Med Res 2005;10:521-6, PMID 16356867. Zum Abstract
  6. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Ärztlicher Bereitschaftsdienst 116 117. Zur Seite

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Untersuchung oder Beratung. Bei Warnzeichen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Markus Halfpap, Dermamedix. Seit 1994 auf Kompressionsbekleidung und Narbenpflege für die Nachsorge nach operativen Eingriffen spezialisiert. Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Beratung.

Fragen zur Nachsorge nach Ihrer Operation?

Bei Warnzeichen wenden Sie sich bitte zuerst an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Zur Nachsorge beraten wir Sie gern persönlich und sind rund um die Uhr für Sie erreichbar:

08021 504741

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wie lange und wie Sie Kompression oder Narbenpflege anwenden, legt Ihr Behandlungsteam fest.

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